Vereinsstraße Frankfurt am Main
Mehrfachbeauftragung, gutachterliches Hochbauverfahren für eine Wohnbebauung im Passivhausstandart mit einhundertdreiundzwanzig Wohnungen
2009
Die Sanierung von sechs in den 1950er Jahren gebauten Mehrfamilienhauszeilen in Bornheim war wegen großer Bauschäden wirtschaftlich nicht realisierbar. Die nicht mehr zeitgemäßen Kleinstwohnungen sollen durch einen ausgewogenen Wohnungsmix mit energetisch hocheffizienten Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen ersetzt. werden.
Städtebauliches Konzept:
Die vorhandene Zeilenstruktur aus den 1950er Jahren zeigt einen seriellen Charakter und ist in städtebaulicher Hinsicht dem Funktionalismus dieser Zeit verpflichtet. Die zwischen den Zeilen angelegten Grünflächen dienen vor allem der Wahrung von Abstandsflächen und lassen stadträumliche Qualitäten vermissen. Der vorgesehene Abbruch, der Zeilen und die vorgesehene Neuordnung des Gebietes bieten die Chance über stadträumliche Verbesserungen auch energetische Maßnahmen für das Wohnquartier zu entwickeln.
Das neu entstehende Wohnumfeld wird durch drei unterschiedlich ausgeprägt Baukörper gefasst und gegliedert:
Entlang der Vereinsstraße begrenzen viergeschossige Stadthäuser, die einen eindeutigen Bezug zur Traufhöhe der gegenüberliegenden Bebauung haben, den Straßenraum. Die Stadthäuser werden jeweils von einem Seitenflügeln flankiert. Abgestaffelte freistehende Gartenhäuser im grünen Innenbereich des Grundstücks erweitern das Ensemble um ein intimeres Wohnen.
Die städtebauliche Anordnung dieser drei Typologien in vier Einheiten ermöglicht weit auseinander gespannte und gestaffelte Gebäude, die auch in den Wintermonaten passive solare Einträge ermöglichen. Der vorher anonyme Charakter der Siedlung wird wesentlich aufgewertet durch räumlich vielfältige um kleine Quartiersplätze und Gärten gruppierte Hauseinheiten mit entsprechend zugewiesenen Adressen. Die einhundertdreiundzwanzig Wohnungen gliedern sich in vier Untereinheiten mit je dreißig Wohnungen in den Quartieren 2 bis 4 und dreiunddreißig Wohnungen im Quartier „An den Röthen“.
Freiflächen:
Wir unterscheiden zwischen öffentlichen Plätzen mit Kinderspielmöglichkeiten und deren Wegeverbindungen untereinander, sowie den privat zu nutzenden Mietergärten, die zum großen Teil den Erdgeschoßwohnungen zugewiesen werden können.
Verkehrskonzept:
Die eingeschossige Tiefgarage wird über die Straße „an den Röthen“ nahezu ebenerdig erschlossen und ist entsprechend der vier Einheiten auch in vier Abschnitte gegliedert. Die „Vereinsstraße“ wird somit vom gesamten zu- und abfließenden Verkehr entlastet. Das Konzept sieht vor, die Tiefgarage über Brandabschnitten so zu teilen, dass keine kostenintensive Großgarage hergestellt werden muss. Auf mechanische Lüftungsanlagen sowie Sprinkleranlagen kann verzichtet werden. Die Garage kann natürlich be- und entlüftet werden.
Architektonisches Konzept:
Entsprechend den drei städtebaulichen Typologien –Stadthaus, -Seitenflügel, -Gartenhaus, haben wir Grundrisse mit verschiedenen Zuschnitten und Qualitäten entwickelt.
Das Stadthaus in Ost- West- Ausrichtung ist als Dreispänner konzipiert, wobei die familienfreundlichen Großwohnungen im Erdgeschoß mit Gartenanteil sowie im ersten Obergeschoß angeordnet sind. Sämtliche Wohnungen erhalten Loggien. Die Anordnung von „Kopfwohnungen“ erhöht die Wohnqualität. Das Stadthaus erhält ein Hochparterre.
Der Seitenflügel in Nord- Süd- Ausrichtung ist als Zweispänner konzipiert. Charakteristisch ist die Qualität des „Durchwohnens“. Sämtliche Bäder sind natürlich belichtet. Die beiden Wohnungen sind als „Kopfwohnungen“ konzipiert. Den Wohnungen im Erdgeschoß sind Gärten zugeordnet.
Das Gartenhaus ist als winkelförmiger „Dreispänner“ ausgearbeitet. Das Abstaffeln ermöglicht die Anordnung von Dachterrassen.
Sämtliche Wohnungen im Erdgeschoß erhalten zugeordnete Freiflächen als Außenterrasse oder Garten.
Für alle Grundrisse gilt, dass Bäder natürlich belichtet sind und eine Zonierung innerhalb der Wohnungen in privatere und öffentlichere Zonen möglich ist. Die Loggien sind größtenteils in den Gebäudeköpfen über Eck angeordnet. Die Gesamtanlage ermöglicht interessante Durchblicke und vermittelt so Großzügigkeit und Weite.
Fassadenkonzept:
Die Gebäudehülle ist nach den Richtlinien der Passivhausbauweise entwickelt. Das Material- und Farbkonzept beschreibt ein zeitloses Erscheinungsbild, das mit dem Grünkonzept in Einklang steht. Die Reduktion auf die Ausbildung der unterschiedlichen Baukörper unterstützt den Gesamteindruck einer dauerhaften und alterungsfähigen Wohnanlage.
Energetisches Konzept:
Das energetische Gesamtkonzept wurde entsprechend dem Passivhaus-Projektierungspaket (PHPP) entwickelt und erfüllt die Anforderungen eines Passivhauses.Die kompakte Gebäudeform der Gebäudetypen reduziert die Wärmeverluste über die Hüllfläche. Die wärmeübertragende Hüllfläche unterschreitet den Zielwert von U<0,15 W/m²K für opake Bauteile, die Fenster erhalten eine 3-fach-Wärmeschutzverglasung. Große südorientierte Fensterflächen mit wirksamen Sonnenschutzanlagen und weitgehend verschattungsfreie Anordnung der Gebäude erreichen in der Winterjahreszeit passivsolare Gewinne. Die Wohnräume sind zur Südseite, teilgenutzte Räume wie Schlafräume, Verkehrsflächen und Sanitärräume sind zur Nordseite orientiert.
Die Flachdachflächen können zur solaren Wärme- und Stromerzeugung mit PV-Anlagen ausgestattet werden. Wärmebrücken werden durch thermische Entkopplung der Bauteile vermieden, die Luftdichtheit wird durch eine lückenlose Putzebenen hergestellt. Der sommerliche Wärmeschutz wird durch außenliegende Sonnenschutzelemente, nicht verkleidete massive Bauteile zur Speichermassenerhöhung und mögliche Nachtkühlung über die Lüftungsanlage mit Erdreichwärmetauscher verbessert. Die Belüftung der Räume wird durch Wohnungslüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung sichergestellt. Ein Erdreichwärmetauscher übernimmt die Vortemperierung der Zuluft. Der Rest-Heizwärmebedarf kann über ein thermisches Heizregister in der Zuluft, durch Niedertemperatur- Heizkörper oder eine Fußbodenheizung gedeckt werden. Die umfassende solare Wärmeerzeugung unterstützt die Niedertemperaturheizsysteme.
Sämtliche Neubauten können im Rahmen des KfW-Programmes „Energieeffizient Bauen“ als „KfW-Effizienzhaus 55“ (EnEV 2009) gefördert werden.
Fritz Ludwig Architekten BDA
Auftraggeber: ABG Frankfurt Holding UPG Frankfurt am Main
Energetisches Konzept Passivhaus: WK concept, Architekten + Energieberater
TGA, Statik: Seidl & Partner Gesamtplanung GmbH





