Hotel am Obelisk in Potsdam, Sanssouci
Gutachterliches Hochbauverfahren für ein Fünf-Sterne-Hotel am Obelisk, Mehrfachbeauftragung
2004
Gegenüber des Zugangs zum Schoss–Park Sanssouci soll auf dem städtischen Grundstück an der Schopenhauerstraße ein Luxus-Hotel entstehen. Das Grundstück befindet sich am westlichen Rand der historischen „Jägervorstadt“ und ist seit der DDR-Zeit mit einem Intershop-Pavillon bebaut, der nach der Wende als Fahrradgeschäft genutzt und von der Stadtplanung als städtebaulich störend eingeschätzt wird. Die klassizistische Villa von Arnim grenzt nördlich an, südlich die Villa Persius, eine Rekonstruktion des kriegszerstörten eigenen Wohnhauses von Ludwig Persius im italienisch-klassizistischen Villenstil.
Das künftige Hotel blickt auf Grund seiner prominenten Lage am Obelisk auf das Portal zum Park und weiter über die zwei Kilometer lange „Hauptallee“ der königlichen Landschafts- und Architekturkomposition von Peter Joseph Lenné, Georg Wenzeslaus Freiherr von Knobelsdorff, Karl Friedrich Schinkel und Ludwig Persius. Das UNESCO-Weltkulturerbe Sanssouci in Potsdam, dem preußischen Gegenstück zu Versailles, vereint herausragende Architektur und Gartenkunst des 18. und 19. Jahrhunderts zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.
Städtebau und Architektur:
Das zurückhaltend und dem historischen Umfeld entsprechend gegliederte Ensemble öffnet sich über die beiden Seitenflügel zum Park Sanssouci mit Blick über das „Dreikönigs-Tor“ zur Friedenskirche mit dem Kaiser-Friedrich-Mausoleum im „Marlygarten“ und entlang der Hauptachse zum „Neuen Palais“ , dem kulminierenden Point de vue.
Die projektierte Anlage bekennt sich in Ausrichtung und Gliederung zur gewachsenen Struktur der Jägervorstadt, die sowohl von einzelstehenden Villen als auch Doppelhäusern bis zu aneinandergereihten Ensembles charakterisiert ist. Die Dachlandschaft, die sehr gut von der Erhebung des an das Viertel im Norden angrenzenden historischen Weinbergs einsehbar ist, zeigt, daß der Neubau sich den Gegebenheiten in Ausführung, Form und Material angleicht. Die klaren geometrischen Kuben der verschiedenen Baukörper vermitteln in Maßstab und Höhe zu dem heterogenen Umfeld. Die beiden den Hof flankierenden Seitenflügel erhalten jeweils einen Vorbau, der zu der Kleinmaßstäblichkeit der beiden historischen Villen überleitet.
Der Hauptbau mit Eingangsportal erhält einen steinernen Sockel und schmückende Fenstergewände. Die Seitenflügel sind deutlich zurückhaltend und weniger plastisch ausgearbeitet. Hierdurch wird den einzelnen Teilen des Ensembles der entsprechende Charakter gegeben. Das Ensemble gliedert sich unprätentiös in die architektonische Kultur der Potsdamer Vorstadt ein und schließt die vorhandene Leerstelle.
Der lichte und verbindende Hain zwischen den beiden Villen Persius und von Arnim, bietet dem Hotelprojekt den nötigen “Vorlauf“ zur stark befahrenen Schopenhauerstraße. Die Villa Persius kann über eine verbindende Pergola oder ein ähnliches, zurückhaltendes Nebenbauteil funktional angebunden werden.
Freiflächen
Die Freiflächen gliedern sich in die Bereiche der Vorfahrt mit dem steinbelegten Eingangshof, der beidseitig von vorgesetzten Arkaden und vielfältiger Gastronomienutzung flankiert ist, die Terrassen der Gartenlokalitäten an den vorgelagerten Kopfbauten und den vorhandenen Bürgergarten an der Hansaallee, der auch für geschlossene Gesellschaften genutzt werden kann. Die gesamten Freiflächen sind gärtnerisch zurückhaltend und orientiert am vorhandenen Bestand in die Umgebung eingebettet. Ein erheblicher Teil der Zimmer blickt über die Gärten der Jägervorstadt hinweg zum historischen Weinberg.
Das Hotelprojekt wurde nicht weiterverfolgt, das Grundstück wird heute als „Stadtgarten“ genutzt.
Kalmbacher & Ludwig Architekten BDA
Auftraggeber: TLG Immobilien GmbH Berlin mit Feuring Visionary Hoteldevelopment Mainz
Visualisierung: Zlatka Damianova




