Friedhof mit Aussegnungskapelle in Ingelheim am Rhein, Frei-Weinheim 

Wettbewerb

2008

Die Friedhöfe der Gemeinden um die Stadt Ingelheim am Rhein sollen aus Gründen der Auslastung in Frei-Weinheim einen Zentralfriedhof erhalten. Der bestehende Friedhof in Frei-Weinheim soll hierfür mit einem neuen Aussegnunsgebäude und weiteren Grabfeldern erweitert werden.

Die Aussegnungshalle

Die Architektur der Aussegnungsgebäudes folgt dem Typus der Kapelle. Mit den drei Höfen und den Nebengebäuden bildet die Anlage ein klar umrissenes Ensemble. Der Zugangshof ist Ort des Übergang zwischen der Alltagswelt und der Ruhe des Friedhofs. Der sich anschließende Besinnungshof ist dem direkten Blickbezug vom Eingang entzogen: Hier können sich Trauernde und  Besucher rücksichtsvoll begegnen. Die Gesamtanlage aus Gebäuden und Höfen und deren Architektur erinnert an die Tradition der kirchlichen Bauweise in Rheinhessens reicher Klosterlandschaft. Die äußere Fassadenbekleidung besteht aus Kalkstein, einem Material, das lokal häufig verwendet wurde. Als geologisches Sediment der Umgebung verwandelt sich dieser Bruchstein durch seine Verarbeitung in ein abstraktes Bild der Natur. Die Steine sind eng geschichtet und erinnern an die traditionelle Bauweise der Ingelheimer Gehöfte und Sakralbauten. Das steile mit Schiefer eingedeckte Dach verweist ebenfalls auf die Bautradition Rheinhessens. Die Innenräume sind im Gegensatz zu dem äußeren archaischen Erscheinungsbild hell und glatt verputzt. Der Kapellenraum wird durch die gezielte Lichtführung skulptural ausgeformt. Der an die Aussegnungskapelle angegliederte Raum zur Verabschiedung der Verstorbenen öffnet sich zu einem intimen Atrium, das mit weißen Rosen bepflanzt und mit Weinreben berankt ist. DasSinnbild der weißen Rose ist kulturübergreifend das Symbol der Trauer, der Reinheit , sowie der platonischen Liebe.

Der Friedhof

Der Charakter der benachbarten und ebenflächigen Rheinauenlandschaft in seiner für die Stadt Ingelheim prägenden Gestalt, wird als Vorbild für die Planung des neuen Teils des Friedhofs aufgegriffen. Die Friedhofserweiterungsfläche erstreckt sich gleichsam einer großzügigen und ruhigen Auenwiesenlandschaft über das Gelände. Die Bestattungsfelder für unterschiedliche und differenzierte Bestattungsformen sind erhöht ausgebildet und durch Kalksteinmauern gefasst. Durch die unterschiedliche Thematisierung der Baumpflanzungen mit Arten der Hartholzaue auf den angänzenden Platzflächen werden hier für den Besucher Orte mit hohem Wiedererkennungswert geschaffen, die sich von der Gleichförmigkeit herkömmlicher Bestattungsräume abheben und an Parkanlagen erinnern.

 

Auslober des Wettbewerbs: Stadt Ingelheim

Aussegnungshalle: Fritz Ludwig Architekten BDA mit Max Pasztory

Friedhofsanlage: Hanke Kappes und Kollegen BDLA

Modell: MAD