Amtsgericht Dresden
Wettbewerb
2006
Der prachtvolle Altbau für das Königlich-Sächsische Amtsgericht wurde von dem Leipziger Architekten Arwed Roßbach im Stil der Florentiner Renaissance entworfen und 1892 fertiggestellt. Das Erdgeschoß mit kräftig bossiertem Rustikamauerwerk verleiht der Instanz Stabilität und Autorität. Das Königlich-Sächsische Amtsgericht, heute als Landesgericht genutzt, soll mit einem Erweiterungsbau für das Amtsgericht unter Wahrung historischerTraufhöhen und städtebaulicher Raumkanten ergänzt werden.
Die Arrondierung mit dem direkt angrenzenden landeseigenen Grundstück ermöglicht die Anlage eines zentralen Justizzentrums in Dresdens Innenstadt.
Leitidee
Die von uns geplante Ergänzung soll dem im kollektiven Gedächtnis der Stadt Dresden verankerten Gerichtsbau im Stil des wilhelminischen Historismus eine Architektur zur Seite stellen, die Werte der modernen, transparenten Demokratie mit dem gewandelten Selbstverständnis der Bürgernähe vermittelt. Das Amtsgericht Dresden soll deutlich als eigenständige Institution in Erscheinung treten. Aufgabenbereiche zwischen Landesgericht und Amtsgericht und deren Instanzen können entsprechend zugeordnet werden, eine interne Überschneidung der Ämter ist notwendig. Die Institution des Amtsgerichts Dresden sollte sich in diesem Zusammenhang mit eigener Adresse und deutlichem Erscheinungsbild repräsentieren.
Städtebauliches Konzept
Die städtebauliche Idee hält sich eng an den Bebauungsplan für den Bereich der Pirnaischen Vorstadt. Der neugeplante Hauptzugang an der Florian-Geyer-Strasse wird über den länglich zugeschnittenen Eingangsvorplatz sichtbar. Damit stellen wir den in der Nachkriegszeit wiederaufgebauten Turmbau frei. Die gesamte Verkehrserschließung erfolgt von der Ziegelstrasse. Der somit entstandene weiträumige Innenhof kann das geforderte Erweiterungsbauwerk ohne festes Raumprogramm als Kubus aufnehmen. Die kompakte Form des Kubus ermöglicht die zusammenhängend erlebbare Hoffläche mit differenzierter Nutzungskonzeption: Der Sommergarten im Bereich der Kantine, der Vorplatz für die Eingangshalle der Erweiterung, im südlichen Bereich der Andienungshof für das Justizzentrum. Zudem besteht die Möglichkeit, weitergehende organisatorische Verknüpfungen des Erweiterungsbaus mit dem Alt- und Neubau, je nach Erfordernissen baulich umzusetzen.
Architektonisches Konzept
Der Besucher erreicht am Eckturm des Neorenaissancegebäudes in der Florian-Geier-Strasse den Eingangsvorplatz des neuen Amtsgerichtes und tritt in die großzügig verglaste Eingangshalle.
Die konsequent moderne Architektursprache gibt dem Haus die Identität, die der Institution eines Amtsgerichtes angemessen erscheint. Die verglaste Halle ist ebenerdig einsehbar und barrierefrei zu erreichen. Die Maßordnung der Fassade verhüllt und öffnet zugleich, je nach der Perspektive, die bei einer Näherung entsteht. Raumbildende Elemente der Fassade sind die hellen, sandsteinfarben pigmentierten und vertikal angeordneten Lisenen, die Brüstungen und Fensterrahmen aus Baubronze. Diese Materialien vermitteln Solidität, Werthaltigkeit und Beständigkeit, auch hinsichtlich der Alterungsfähigkeit. Bronze ist im Gegensatz zu vielen Materialien wartungsfrei und unempfindlich gegen schädliche Witterungs- und Umwelteinflüsse. Die mehrfarbene Patina bildet sich nach kurzer Zeit aus und verleiht dem Gebäude den eigenen Charakter.
Betritt der Besucher das Gebäude, gelangt er über die zweigeschossige Halle und deren Freitreppe in das Saalgeschoss. Die Wände der Galerie im Bereich der Halle, sowie die der Sitzungssäle erhalten einen mit Holzpaneelen ausgestatteten Innenausbau, der mit dem eher zweckgebundenen Ausbau der Regelgeschosse kontrastiert. Die hiermit erreichte Atmosphäre wirkt freundlich und kommunikativ, zudem lässt sich mit dieser Art des Innenausbaus eine sehr gute Raumakustik erzeugen. Der Bodenbelag in der Eingangshalle und in den Saalgeschossen besteht aus hellem Naturstein, die Säle selbst erhalten Parkettbeläge. Die Bibliothek erhält ebenfalls eine Innenausstattung mit Holzoberflächen.
Das Gebäude mit seinen unterschiedlichen Abteilungen und Raumzusammenhängen wird von den senkrecht stehenden und haptisch geformten Faserbeton-Lisenen umhüllt. Die Sonderfunktionen der Gerichts-Säle und der zweigeschossigen schmalen, repräsentativen und bürgerfreundlichen Einganghalle zeigen sich über eingestellte Portale aus gleichem Material und lassen Inhalt und Funktion erkennen.
Kalmbacher & Ludwig Architekten BDA
Auslober: Freistaat Sachsen, Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Visualisierung: Mainfeld
Technische Gebäudeausrüstung: Enco Energie Consulting GmbH
Modell: MAD



